Jugend

Gedanken zum Segeln mit Kindern und Jugendlichen


Aus gegebenen Anlass erlaube ich mir meine Gedanken in Sachen Jugendsegeln freien Lauf zu lassen und offenbare vorweg kein allzu großes Geheimnis: Segeln ist eine wunderbare, jedoch durchaus komplexe Fortbewegungsmöglichkeit. Seit tausenden von Jahren geht die Menschheit dieser Profession nach - Segelboote waren die Basis um neues Land zu entdecken, Handel zu betreiben und die Welt zu erforschen. Wo wären wir heute, wenn nicht beispielsweise Christoph Columbus oder Charles Darwin ein wenig in der Welt herumgekommen wären. Segeln galt immer schon als eine moderne Disziplin, die sich schon sehr früh der Kenntnisse der Astrologie, des Schiffsbaus und der Meteorologie bediente. Maritime Entwicklungen in Verbindung mit Seemannschaft schuf ein Traditionsbewusstsein, dass bis in die heutige Zeit Teil der seglerischen Ausbildung ist.

Der Union Yacht Club Neusiedlerseehat die seglerische Ausbildung immer als wichtig erachtet und entsprechend hoch gehalten. Viele Mitglieder haben als Prüfer die Segelschulen und die Yacht Clubs dahin gehend unterstützt. Diese Ausbildung war jahrzehntelang auf das seemännische Gut mit A-, B- und C-Scheinen ausgerichtet, erst in den 80-er Jahren wurde die jüngere Generation als entsprechendes Potenzial erkannt. Der UYCNs hat bereits 20 Jahre zuvor, unter der Patronanz von Erika Olga Jirasko, mit der Einführung der Optimisten und des 420ers in Österreich einen zukunftsweisenden Akzent gesetzt. Erste Begleitungen bei Regatten machten vor allem den Optimisten als Einsteigerboot nicht nur in unserem Club, sondern in ganz Österreich populär. Mit den legendären Pfingstlagern unter der Leitung von Peter Handl wurde ab 1970 erstmals dem sportlichen Segment mehr Raum gegeben. Gemeinsame Erlebnisse am Wasser und Land, getrennt von den Eltern, die gleichzeitig immer an der Pfingstfernfahrt teilnahmen, ließen diese Wochenenden für viele unvergesslich bleiben.

In den 80-er Jahren wandelte sich das Pfingstwochenende in die heute bereits traditionelle Jugendwoche. Auffallend war die immer stärker werdende Konkurrenz anderer Feizeitmöglichkeiten, die in Verbindung mit höheren Familieneinkommen, den in der Vergangenheit elitären Charakter des Segelsports ein wenig verdrängte. Das Jugendsegeln im UYCNs erreichte aufgrund der geringen Anzahl von Kindern und dem veränderten Freizeitverhalten seinen Tiefpunkt.

Ende der 90-er Jahre erwarb der UYCNs unter seinem damaligen Jugendwart Carl Bauer erstmals Optimisten. In Verbindung mit Sponsoren wurde die Regattaausbildung konsequent vorangetrieben.
Unter dem Credo „Kinder mit Spaß zum sportlichen Segeln zu bringen“ wurde der Bootspark ab 2006 erneuert und aufgestockt. Der Optimist gilt nach wie vor als Einsteigerboot, jedoch ermöglicht der UYCNs den Kindern die weitere Begleitung in der seglerischen Ausbildung. ZOOM8 und Hobie Cat Dragoon führen über die Jolle zum mit Doppeltrapez und Gennaker gesegelten Katamaran. Die Entscheidung für diesen Bootspark kam aus der Genesis des UYCNs. Die größten seglerischen Erfolge konnten Mitglieder in Einhandbooten (Finn und Laser) oder Katamaranen (Tornado und Hobie Cat 16) erreichen, die auch als Einzelklassen den größten Bootspark in unserem Yachtclub aufweisen. Mit der Schenkung des 29er’s durch Anton und Karin Kosta konnte das Spektrum auf die modernen Skiffs ausgeweitet werden.

Die Frage wie sich ein Kind, das über One-Eightees am Snowboard oder Loops mit Twin-Tips schwärmt, sich in Kletterhallen ebenso wohl fühlt wie beim Canoning, auch im Segeln sein zu Hause findet, ist unsere gegenwärtige Auseinandersetzung. Segeln ist eine Lebensschule die neben der schulischen Ausbildung ihren Stellenwert haben kann. Die Auseinandersetzung mit Wasser, Wind und Wettererscheinungen, das richtige Verhalten auf und mit einem Boot, das gemeinsame oder auch einsame Erleben von Ruhe, Spannung, Wettkampf, Nacht- und Fernfahrten können bleibende Erinnerungen und Basis für eine weitere Verbundenheit der Heranwachsenden mit dem UYCNs sein.

Heute scheint sich der Kreislauf zu schließen. Mitglieder die schon als Kinder im Schlamm, auf der Wiese und im Schilf gespielt haben und mit dem UYCNs in jeglicher Hinsicht tief verwurzelt sind, übernehmen Verantwortung. Ob bei Regatten, im Vorstand, oder wenn es darum geht ihren segelsportlichen Fundus und ihre diesbezüglich große Leidenschaft an die nächste Generation weiterzugeben.

Christoph Marsano